Mittwoch, 6. November 2019

Wir segeln nach Mindelo auf Sao Vicente

Palmeira, vor unserem anstrengenden Nachttörn

Zeit weiter zu fahren. Es soll Starkwind geben und Dirk muss pünktlich am Samstag am Flughafen auf Sao Vicente sein. Die Strecke nach Tarrafal auf Sao Nicolau ist bei Tageslicht nicht zu schaffen. Die Nächte sind auch mit halben Mond sehr dunkel. Das Anlanden an unbekannte Küsten und Häfen ist doch zu gefährlich. Somit sind wir am frühen Abend gestartet um nach Sonnenaufgang das Südkap zu erreichen. Zuvor gingen wir noch im Restaurant Rotterdam essen.  Zackenbarsch mit vielen unterschiedlichen Beilagen. Sehr lecker! Mit zunächst leichter Welle segelten wir in den Sonnenuntergang. Nachdem es dann so richtig dunkel wurde und die Wellen immer höher seitlich an die Bordwand krachten, machte sich zuerst bei Ute Übelkeit bemerkbar. Zunächst denkt man natürlich an Seekrankheit. Es wurde allerdings sehr schnell klar, dass wir uns mit dem letzten Essen eine Infektion eingefangen hatten. Die Nachtfahrt wurde nicht sehr angenehm, aber auch so eine Erfahrung gehört wohl zum großen Abenteuer.
Wir segeln in den Sonnenuntergang

Als wir die Südküste von Sao Nicolau erreichten wurden die Schiffsbewegungen erträglicher. Am Südkap tauchte neben uns eine Haifischflosse auf. Der Kumpel stand wohl auf angeschlagene Segler. In Tarrafal angekommen waren wir ziemlich platt. Wir wollten erstmal nur schlafen. Es war sehr heiß. Abkühlung verschaffte nur ein Bad im Meer. 
Tarrafal auf Sao Nicolau

Computerspiel auf dem Smartphone


Tarrafal ist ein nettes Städtchen auf einer total trockenen Wüsteninsel. Die Stadt machte im Vergleich zu Palmeira einen sehr guten Eindruck. Wieder war es nicht so leicht die Policia Maritime zu finden. Dort müssen wir uns an – und wieder abmelden. Ein netter Mann zeigte uns den Weg. 20 Minuten führte er uns bis in den letzten Winkel der Stadt. Dort tauchte dann tatsächlich das Polizeigebäude auf. Am Abend machten Dirk und ich noch einen Tauchgang um unser Schiff herum. Tropische Flora und Fauna zeigte sich an den Vulkansteinblöcken. 
An der Südküste von Sao Vicente

Abschließend fand Dirk noch einen stattlichen Ammenhai unter einer Felsplatte.
Tarrafal ist auf den Kapverden bei der üblichen Wetterlage die windstillste Ecke. Ruhig lagen wir vor Anker und konnten die Gebirgskulisse der Insel genießen. Am nächsten Morgen fuhren wir dann auch gleich weiter. Der Starkwind rückte immer näher. Auf Halbwindkurs segelten wir bei 5 – 6 Bft. an den Südküsten von Rosa, Branco, Santa Luzia und Sao Vicente entlang. Angenehme Welle, Sonnenschein, die Kulisse der schroffen Inseln  und 7,5 – 8,5 Knoten auf der Logge machten an dem Tag viel Spaß. Unser Ziel Mindelo auf Sao Vicente erreichten wir am Nachmittag. Vor einer riesigen Bucht zeigte sich eine recht große Stadt mit Kreuzfahrtschiffen, Frachtern und Fähren im Hafen. Eine Marina befindet sich in der hintersten Ecke. Dort konnten wir noch Tanken und einen guten Liegeplatz finden. Hier kann man auch sehr gut ankern. Allerdings brauchten wir mal wieder Wasser. Unterwegs benutzen wir viel Seewasser um Süßwasser zu sparen. An der Marina angekommen freuten wir uns natürlich auf eine ausgiebige Süßwasserdusche. Das Wasser wird hier auf den Inseln durch Seewasserentsalzungsanlagen gewonnen und damit auch sehr teuer. Jeder Liter Wasser wird über eine Magnetkarte abgerechnet.
Mindelo voraus
Nun sind wir am Absprunghafen Mindelo angekommen. Ende des Monats warten wir auf günstiges Wetter, dann geht es über den großen Teich. Das Schiff ist in einem sehr guten Zustand und endlich mal wieder sauber. Das Salz vom Seewasser und der Vulkanstaub der Inseln bilden eine unangenehme braune Patina auf dem gesamten Schiff.
Bis dahin freuen wir uns Sao Vicente und vor allem auch Mindelo zu entdecken. Vielleicht fahren wir noch zur Nachbarinsel Santo Antao. Dort soll es schöne Wanderungen geben.
unser Weg durch die Kapverdischen Inseln


Freitag, 1. November 2019

Von El Hierro zu den Kapverden. 730 Seemeilen Atlantik

Unsere Fahrt begann mit Gewitter und leichten Regenschauern. Tief hingen die Wolken auf dem Atlantik. Schon etwas unheimlich bei diesem Wetter zu starten, wenn vor uns 730 Seemeilen bis zur nächsten Insel nur Wasser liegt. Einige Meilen nach der Südküste von El Hierro setzte dann der Ostwind ein und wir konnten mit vollen Segeln gut Fahrt machen. Ute hatte schon einen Topf Gulasch vorgekocht, so dass wir nur noch Kartoffeln und Salat dazu machen mussten. Das hilft an den ersten beiden Tagen auf See, wenn man sich an die Schiffsbewegungen gewöhnen muss. Oft sind die Bootsbewegungen so stark, dass das Essen kochen zu einer Zirkusnummer wird. Früh wird es dunkel und die Wachen beginnen. Thomas bis 23 Uhr, Ute bis 2 Uhr und Dirk bis um 5 Uhr. Am Tage hatten wir keine feste Wacheinteilung. Anfänglich war der Seegang noch sehr gering, so dass wir gut schlafen konnten. Somit mussten wir auch nicht mit quälender Müdigkeit während der gesamten Fahrt kämpfen. In der ersten Nacht war plötzlich der Wind weg. Segel bergen und unter Maschine weiter fahren. Dann lernten wir auch trotz der Maschinengeräusche einzuschlafen.
Gegen sieben Uhr tauchte die Sonne wieder auf. Leider erzeugten die Sonnenstrahlen erst gegen Mittag ausreichend Wind um mit dem Blister zu segeln. Herrlich. Die Motorengeräusche wurden von dem leichten Rauschen der Bugwellen abgelöst. Das bunte Segel leuchtet in der Sonne, rund um uns herum nur blauer Ozean. Auf dem Kartenplotter konnten wir eine 60 m- Yacht sehen die uns sehr nahe kam. Eine Motoryacht die über den Atlantik fahren wollte. Das war dann auch das einzige Schiff während des gesamten Törns, das auf Sichtweite an uns vorbei fuhr. Den Tag verbrachten wir mit lesen, mal ein Nickerchen, eine Dusche aus dem Duschbeutel usw. Plötzlich wird es schon wieder dunkel. Langeweile hatten wir nie. Zwischenzeitlich hat Dirk die ersten Fische geangelt. Wenn mal ein Fisch beißt, ist natürlich gleich was los an Bord. Zunächst ist ja auch nicht klar was da am Haken hängt. Eine große Plastiktüte hatte ich ja schon mal gefangen. Goldener Körper, grüne Segelflossen. Ein sehr schöner Fang zeigte sich dann am Heck. Dirk machte gleich kurzen Prozess. Nach fünf Minuten lagen die Schönheiten im Kühlschrank.


Es war sehr kurzweilig. Dies liegt auch daran, dass wir nur elf Sonnenstunden hatten und Dirk nun täglich für frischen Fisch sorgte.
Gegen Abend nahm der Wind leider wieder ab, so dass der Diesel wieder aushelfen musste.
An den ersten beiden Tagen konnten wir in 24 h je 140 Seemeilen fahren. Am dritten Tag nutzen wir jeden Windhauch mit dem Leichtwindsegel und kamen nur auf 120 Seemeilen. Dass wir immer weiter nach Süden fuhren, bemerkten wir auch daran, dass sich das Schiff schon ordentlich aufgewärmt hat. Unten im Schiff kann man sich nur schwitzend aufhalten. Wir dümpelten langsam und gemütlich über den Ozean. Kaum zu glauben wie friedlich die Atmosphäre um uns herum ist. Ein paar Delfine schauten vorbei und begrüßten uns. Dirk beschwerte sich mal wieder, dass nichts anbeißt. Dann plötzlich surrte wieder die Angel und diesmal waren zwei von den schönen Fischen an der Angel. Langsam füllte sich der Kühlschrank. Abendmenü: Goldmakrele gebraten, Kartoffeln mit Knoblauchöl und Pfannengemüse. Fehlte nur noch der Wein. Leider ist Alkohol auf See verboten. Die Sonne färbte den Horizont ockerfarben und der Blister zog uns gemütlich durch die See. Traumhaft!
Das Geschirr wird nach dem Essen immer erst mit Seewasser gespült um Süßwasser zu sparen. Nach 6 Tagen haben wir dann auch nur 100 Liter verbraucht. Erstaunlich, mit wie wenig Wasser wir auskommen. Oder anders, wie viel Wasser wir im Alltag verschwenden. Geduscht wird deshalb auch mit Seewasser. Dies geschieht auf folgende Weise: Man setzt sich achtern auf den Sitz vor der Windfahne und schüttet sich einen Eimer erfrischendes Seewasser über den Kopf. Weil es so schön erfrischend ist, gleich noch mal einen hinterher. Das normale Shampoo funktioniert mit Seewasser nicht. Dazu haben wir spezielles Seewassershampoo. Nach dem Einseifen wieder zwei Eimer erfrischendes Seewasser über den Kopf und mit ein wenig Süßwasser aus dem Wassersack nachgespült. Diese Kulisse, mit den von hinten anlaufenden Wellen und dem frischen Passatwind, der uns nach 5 Minuten wieder trocken gepustet hat.  

In den Nächten wird das Schiff immer sehr feucht, aber die Luft ist lau und wir brauchen uns nicht mehr so dick anziehen, wie bei den ersten Überfahrten. Drei Stunden Wache sind eine angenehme Einteilung. Die Beobachtung des Sternenhimmels lässt die Zeit schnell vergehen. Kassiopeia und der große Wagen sind unsere Fixpunkte…wenn sie an der richtigen Stelle zu sehen sind, haben wir unseren Kurs gehalten.
Die guten Bedingungen geben uns die Möglichkeit unsere Mahlzeiten gemeinsam und auch meist (natürlich mit Hilfe von Antirutschmatten) mit gedecktem Tisch zu genießen. Ein gemütliches Frühstück im Cockpit in der Morgensonne ist besonders schön.
Nach dem Frühstück haben wir dann die Nachrichten an unsere Familien gesendet. Es ist ein beruhigendes Gefühl das Satellitentelefon dabei zu haben. Nicht nur für die Daheimgebliebenen, auch für uns. Wenn der Klingelton zu hören war stieg die Spannung und Freude: „Für wen ist die Nachricht, wer hat geschrieben?“
Am vierten Tag waren die Brotvorräte verbraucht. Dies bedeutet, der Backofen ist freigegeben und sollte in Anbetracht  des Gasverbrauchs gut befüllt werden. Also hat Ute nicht nur Brot, sondern auch gleich noch einen Mohnkuchen mitgebacken, den auch Meiborg nicht hätte besser backen können. Dies hat die Temperatur zwar noch ein wenig erhöht, aber dafür schwebte ein herrlicher Duft durchs Schiff.  Der Kuchen wurde im Schnellverfahren abgekühlt….ab in den Wind damit….und dann mit Schokolade verziert. Ein Stündchen verweilte er dann noch im Kühlschrank und wurde passend zur Kaffeezeit gleich zur Hälfte vertilgt.

Immer mehr stellte sich der stabile NE – Passatwind ein. Mit 11 bis 16 Knoten Wind konnten wir bis zum Hafen mit 6,5 Knoten Segeln. Wir brauchten 5 Tage und 8 Stunden bis Palmeira auf Sal.
Dieser Hafen besteht nur aus einer großen Mole hinter der die Boote vor Anker liegen. Im Hafen hörte plötzlich die hohe Schwell auf, der Wind aber blieb mit 25 Knoten. Der Ankerplatz war sehr voll. Ganz rechts außen legten wir uns neben drei weiteren Yachten. Der Anker hielt auch sofort sehr gut. Nachdem der Anker saß, tauchte ich Ihn ab. Neben der Kette fand ich noch die Halterung  einer Rohrleitung an der ich ein weiteres Tau befestigt habe. Somit liegen wir sehr sicher in diesem starken Wind.

In den Reiseführern heißt es, dass der Tourismus auf den Kapverden boomen würde, insbesondere auf Sal. Davon ist hier in Palmeira, dem Haupthafen der Insel nicht viel zu spüren. Der Tourismus erscheint hier in Form von 3 kleineren Bussen, mit ca. 50 Bleichgesichtern aus dem Süden der Insel. Für 2 Stunden herrscht Ausnahmezustand in dem kleinen Hafenort. Das ganze Dorf verwandelt sich in einen mobilen Basar. Der Spuk ist so schnell vorbei wie er gekommen ist. Ab mittags fühlt es sich wieder sehr afrikanisch an. Die Seglerszene des Hafens ist auf besondere Weise akzeptiert und ein Stück weit Alltagsleben. Insofern ist es auch ein besonderes Erlebnis die Kapverden auf diese Weise kennen zu lernen.           


Wieder Land in Sicht. Sal

Gücklich auf dem Ankerplatz Pameira, Sal, Kapverden

Freitag, 25. Oktober 2019

Letzter Tag El Hierro

Heute gingen Dirk und ich noch einmal zum Tauchen. Den morgigen Tauchgang haben wir abgesagt, da es morgen früh schon zu den Kapverden weiter geht. Ein riesiges Tiefdruckgebiet beherrscht im Moment den Nordatlantik. Dieses Tief zieht uns hier den NE-Passat weg. Zudem schickt es uns wohl nächste Woche Donnerstag hohe Wellen zu den Kapverden. Zu diesem Zeitpunkt versuchen wir dann schon dort zu sein. Dazu müssen wir morgen früh schon los. Zunächst werden wir mit wenig, aber dann immer mehr Wind nach Süden gepustet. Dies wird dann unsere bisher längste Tour. 740 Seemeilen für die wir zwischen 5 und 7 Tage brauchen werden.
Heute waren wir noch einmal einkaufen. Überall sind nun Lebensmittel und Getränke verstaut. Ich denke, dass wir uns gute 6 Wochen auf See ernähren können. Wir sind sehr gespannt...

El Golfo (Frontera) von oben. Hier ist ein Stück Insel ins Meer gerutscht.
Zuvor haben wir noch viele schönes von dieser Insel gesehen. Auch wieder eine sehr reizvolle Kanarische Insel. Vulkankrater, Lavaströme, Kiefernwälder......

Das Unterwasserschutzgebiet um La Restinga hat uns heute sehr gefallen. Dazu hier ein paar Eindrücke:







Mittwoch, 23. Oktober 2019

Die letzte europäische Insel - El Hierro

Gestern ist Dirk zu uns an Bord gekommen.
Gemeinsam segeln wir nun zu den Kapverden. Zuvor besuchen wir die südlichste Insel Europas: El Hierro. Heute Morgen sind wir früh aufgebrochen. Leider konnten wir nur 3 Seemeilen segeln. Es gab leider keinen Wind zwischen den Inseln. Wir haben einen sehr guten Liegeplatz in der Marina La Estaca, an nagelneuen Schwimmstegen gefunden. Schnell wurde noch ein Mietwagen gebucht - morgen Früh fahren wir zum Tauchen ins Unterwasserschutzgebiet um La Restinga. Dort gibt es wohl viele große Fische wie auch Höhlen und Felsformationen zu sehen.
Dirk hat heute schon einen Fisch gefangen. Er beendete gerade den Satz: es kann nicht sein, dass wir den ganzen Tag über den Atlantik fahren und nichts fangen. Eine Minute später surrrrrte die Angel. Hier ein kleines Filmchen dazu:



La Estaca auf El Hierro vorm Bug
Über unsere Tauchgänge berichten wir dann später.

Sonntag, 20. Oktober 2019

Zwei Wochen auf La Gomera


Mittelweile sind wieder zwei Wochen auf dieser schönen Insel vergangen. Nach einer Woche im Valle Gran Rey wechselten wir in die Marina La Gomera am Hauptort San Sebastian. In dieser Zeit waren wir viel unterwegs um die Insel zu erkunden. Sicher ist, dass wir nicht das letzte Mal auf La Gomera waren. 



Abstieg ins Valle Gran Rey

Von diesen Roques gibt es einige. Sollen erkaltete Schlotfüllungen sein.

Was sieht man im Nebelwald?

Motiv für viele T-Shirts

 Wir können uns gar nicht satt sehen an dieser tollen Landschaft. Eine sehr schöne Insel ohne Hotelsilos mit vielen Häusern im Landesinneren, in den Bergen.  Sobald man die Küste verlässt geht es steil nach oben. An jedem Hang gibt es Straßen oder alte Pfade auf denen wir sehr schöne Wanderungen gemacht haben. Mit dem Mietwagen oder dem Bus fuhren wir zu den Startpunkten und waren den ganzen Tag unterwegs.
Einsame Wohnung im Gebirge
Hier in San Sebastian bereiten wir uns nun auf unsere Weiterreise vor. Wir waren schon dreimal einkaufen. Für min. vier Wochen sollen die Vorräte halten. Gar nicht so einfach Lebensmittel zusammenzustellen die in Dosen und Gläsern haltbar gemacht wurden, aus denen man dann vernünftige warme Mahlzeiten basteln kann. Frische Lebensmittel kaufen wir erst morgen. In den Netzen hält sich das Gemüse kaum eine Woche. Wir haben unsere Ernährung mehr auf Hülsenfrüchte umgestellt. Falls jemand gute Rezepte hat, die nur aus Dosenfutter bestehen, lasst es uns wissen.
Vallehermoso von oben
Am Dienstag kommt Dirk für drei Wochen zu uns an Bord. Mittwoch soll es dann nach El Hierro zum Tauchen gehen. Ab Sonntag verabschieden wir uns von Europa und Segel zu den Kapverden. Unser erstes Ziel ist Sal.
Ein paar Unterwasserbilder werde ich vorher noch ins Netz setzten.
Einige Eindrücke von der Insel und ein paar Bilder von Bord haben wir wieder in ein kleines Video gepackt. Hier der Link dazu:

La Gomera











Donnerstag, 10. Oktober 2019

Der Weg nach La Gomera


Es wurde wieder Zeit weiter zu ziehen. Auf Teneriffa hätten wir noch viele spannende Dinge gefunden um zu bleiben. Irgendwann spürt man eine innere Unruhe die nach einer neuen Insel sucht. Entlang der Ostküste segelten wir bis zum südlichen Ende von Teneriffa. Zwischen Teneriffa und Gran Canaria bildet sich jeden Tag ein breites Starkwindfeld. Böen bis 38 Knoten sind dort keine Seltenheit. Natürlich suchten wir unseren Abfahrtstag danach aus, wann die Böen nicht so sehr zuschlagen konnten. Wenn man mit dem Auto die Südautobahn entlang fährt kann man immer das aufgewühlte Meer sehen. Jedes Mal fragten wir uns, wie wir da wohl entlang segeln werden. Wir hatten auf dem Weg fast nur guten Segelwind und keine Sturmböen. Nach 40 Seemeilen wollten wir in Las Galletas anlegen. Leider war die Marina voll. So drehten wir frühzeitig nach San Miguel ab. Dort bekamen wir den letzten Platz. Glück gehabt. Viele Ausweichmöglichkeiten gibt es hier nicht.

San Sebastian




Am nächsten Tag fuhren wir unter Maschine um die Südspitze nach Los Christianos. Danach legten wir Kurs auf San Sebastian auf La Gomera. Zwischenzeitlich grüßten uns vier Grindwale. 10 Meilen vor La Gomera nahm der Wind immer mehr zu. Auch hier entstehen in der Winddüse Starkwinde. Leider kam der Wind genau von vorn, sowie auch die immer höher werdende Dünung und auch der Kanarenstrom. Zwischenzeitlich fuhren wir nur noch 3,5 Knoten. Im Hafen von San Sebastian, dem Hauptort von La Gomera, war es fast windstill. 
Santiago
Froh endlich angekommen zu sein, teilte uns der Hafenmeister mit, dass auch dieser Hafen voll ist. Sehr ärgerlich. Entlang der Küste ging es weiter zur Südseite, nach Santiago. Ein kleiner, leider total voller Fischereihafen. Eine Bucht zurück fanden wir eine Möglichkeit zu Ankern. 
Steile hohe Felsen an der Küste zum Valle Gran Rey

Endlich angekommen, Motor aus. Um uns herum steile Felswände mit kleinen Höhlen an der Wasserkante. Einige Menschen fanden dort ihr neues Zuhause. Die leichte Brandung rauschte – herrlich. Es schaukelte etwas, geschlafen haben wir auf diesem Ankerplatz ganz wunderbar.
Im Hafen Vueltas am Ausgang des Valle Gran Rey
Nach einem langen Frühstück ging es weiter die Ostküste entlang zum Ausgang des Valle Gran Rey, nach Vueltas. Dort fanden wir an der dicken Kaimauer eine Liegemöglichkeit. Wasser gab es bei den Fischern für 3 €. Das zu organisieren war sehr interessant. Von einem zum anderen wurde laut rufend weitergegeben, dass die Fata Morgana Wasser braucht. Fischerboote wurden verlegt. Einige kamen um zu helfen. Der Wasserschlauch war unter einer dicken Stahlplatte in der Straße verborgen. Alles sehr spannend. Die Liegegebühr gleicht der der anderen Häfen, auch ohne Sanitäranlage, Schwimmstege, Wasser, Strom und Internetzugang. Dafür sehr herzlich. Wir fühlten uns sofort sehr wohl.
Hafen Vueltas







Mittwoch, 9. Oktober 2019

Teneriffa


Unser Ausflug zum Teide Nationalpark war ein ganz besonderes Erlebnis. Von La Laguna aus zieht sich die Gebirgsstraße in Serpentinen hinauf. Wir fuhren mit dem Auto durch einen Kiefernwald. Immer wieder waren auf dieser Straße Aussichtspunkte eingerichtet, von denen man einen herrlichen Blick hatte. Auf einer Höhe von ca. 1900 m zeigte sich uns ein faszinierendes Bild. Es machte einen fast unwirklichen, atemberaubenden Eindruck auf mich. Der Teide ragte durch eine dicke Wolkendecke.
Teide 3715 m über dem Meer, vom Meeresboden aus 7500 m

Je höher wir kamen, desto mehr machte sich der niedrige Luftdruck bemerkbar. Leichter Kopfschmerz stellte sich ein. Angenehm dagegen war die trockene, warme Luft die wir dort spürten. Nach einer kleinen Rast mit Brot und Kaffee fuhren wir weiter, vorbei an einem Observatorium. Die klare Luft hier bietet einen besonders guten Blick auf die Sterne.
klare Luft, freie Sicht zu den Sternen


Roque Garcia

Auf ca. 2200 m parkten wir das Auto und bestaunten die Kraterlandschaft, die uns zu einer kleinen Wanderung über die dort angelegten Wege bot. Hier kann man die erkalteten Lavaströme noch gut erkennen. Man  könnte meinen man wäre auf dem Mars. Ein unbeschreiblicher Anblick und  Anlass für einige schöne Fotos. Hier stehen auch die von vielen Postkarten bekannte Felsen „Los Roques de Garcia

Eine schöne Art Spuren zu hinterlassen, haben die Fahrtensegler entwickelt indem sie sich auf der Hafenmauer oder Mole mit einem selbst entworfenen Symbol verewigen. Dies ist nicht in allen Häfen zu sehen, sondern meist in denen, die auch Absprunghäfen für längere Überfahrten sind.

Da uns diese Idee sehr gut gefällt, haben wir auf Teneriffa einen Farbwarengeschäft aufgesucht und uns das notwendige Material besorgt. Wir finden es spiegelt die Verbundenheit der Segler untereinander sehr schön wieder, die wir auf unserer Reise immer wieder erleben können.

Ein unbedingtes Muss auf Teneriffa ist der Besuch des „Loro Parque“. Eine wirklich beeindruckende Anlage die man geführt oder auf eigenen Wegen erleben kann. Er bietet eine Vielzahl von Tieren und Attraktionen die man gar nicht mit nur einem Besuch erfassen kann.
Orca im Tiefflug

Der Park legt großen Wert darauf, seine Besucher darauf hinzuweisen, wie wichtig der Erhalt unserer Natur ist. Die Shows mit den Delfinen und den Orcas haben uns am besten gefallen, unglaublich welch ein Vertrauen sie zu ihren Pflegern aufbauen. Aber auch die Bilder von der Aufzucht der Papageien ließen uns erstaunen.


Unser erster Aufenthalt auf Teneriffa hat viele schöne Spuren bei uns hinterlassen. Wir kommen in ca. 1-2 Wochen nochmal wieder um Dirk abzuholen, der uns einige Zeit begleiten wird. Bis es soweit ist, geht es für uns zu einer neuen Insel. Wir freuen uns auf La Gomera.



kleine Reparaturarbeiten, ganz oben