Samstag, 27. Juli 2019

Baiona und das Wetter

In Riveira wollten wir nur zwei Tage bleiben. Leider hatten wir an jedem Morgen bis zum frühen Nachmittag Nebel. Ein Auslaufen war zu gefährlich und gegen Abend, als der Vorhang sich dann weit genug gelichtet hatte noch zu fahren hatten wir keine Lust. Immerhin haben wir ausreichend Zeit und möchten auf den einzelnen Etappen auch die Landschaft genießen.
Dicke Suppe
Ein paar Worte zum Wetter. In Deutschland werden historische Hitzerekorde gebrochen, hier in Galizien haben wir nachts Temperaturen von 16°C und tagsüber um die 23°C, wenn sich nicht die dicke Nebeldecke über uns legt. Unter der Nebeldecke bleibt es dann oft bei 18°C. Die Wassertemperatur ist in den letzten drei Wochen von 17°C auf 19°C gestiegen. Also recht kühl. Eine gute Voraussetzung, dass feuchte Luftmassen bodennah kondensieren und sich dicker Nebel bildet. Diese feuchten Luftmassen kommen von Tiefdruckgebieten, die sich seit den letzten Tagen auf die Biskaya zu bewegen. Gestern habe ich mir das momentane Tiefdruckgebiet angeschaut. Hier mal die visuelle Darstellung von Windy. Böen bis 120 km/h, Wellen bis 7,5 m. Da können wir sehr froh sein, dass wir sehr günstige Bedingungen bei unserer Überfahrt hatten.
Sturmtief in der Biskaya

Jetzt haben wir immer noch viel Zeit um uns
das beste Wetterfenster auszusuchen.  Am dritten Tag in Riveira wollten wir dann endlich mal eine neue Stadt sehen und sind noch um 14 Uhr gestartet. Leider zu wenig Wind um zu segeln. Dafür waren es nur 18 sm bis Portonovo. 

Der Himmel klarte immer mehr auf und die schöne Küste zeigte sich von ihrer besten Seite. Interessant fand ich noch, dass wir nirgendwo so viele sehr aktive Fischerboote gesehen haben. Die Rias werden hier richtig ausgefiltert. Kaum vorstellbar, dass hier auf Dauer auch nur ein Fisch entwischen kann.
Fischerboot fahren Tag und Nacht zu ihren Netzen und Reusen

Auf dem Weg zur Insel Ons kam uns die Rainbow Warrior entgegen. Vielleicht sind diese Aktivisten hier genau richtig. Das war auch das einzige Schiff, dass an diesem Tag von der Küstenwache von der Küstenwache auf Kanal 16 angerufen wurde.

Die Rainbow Warrior mit ihrem ominösen Rigg
Die Inseln Ons und Cies sind sehr schöne Inseln, die bis 3 Meilen vor deren Küste zu Naturschutzgebieten erklärt worden sind. Nur mit einem Permit kann man diese Inseln mit eigenem Schiff anlaufen oder dort übernachten. Auf der Internetseite des zuständigen Ministeriums wurde schnell klar, dass zur Erlangung dieses Permits ein großer bürokratischer Akt erforderlich sein wird. Alles außer meiner Schuhgröße musste angegeben werden. Bootspapiere, Versicherungen und Pässe müssen eingescannt dem Ministerium per Mail gesendet werden. Da die Wettervorhersage auch nicht so einladend war, haben wir diese Inseln abgeschrieben. Als wir dort vorbei fuhren stellten wir fest, dass der Ankerplatz voll war und ununterbrochen Fähren mit Touris zwischen den Inseln und dem Festland pendeln. Unter Naturschutz stelle ich mir etwas anderes vor!

Die Südspitze der Ille de Cies
Portonovo ist ein kleiner Fischereihafen an der Nordküste der Ria Pontevedra. Auf der Fahrt dorthin stellten wir schon mehr Schwell als an den Vortagen fest. Dieser Schwell wird von den Stürmen im Nordatlantik erzeugt.  Er war auch ganz ordentlich im Hafen zu spüren. Auf den Stegen lagen schon einige zerrissene Leinen, Zeugen dafür, dass es hier auch mal sehr ungemütlich wird. Wir haben unser Boot mit vielen Leinen in alle Richtungen verspannt.
In diesem Ort war wieder mehr Tourismus zu spüren. Hier kostet ein großes Eis wieder 3,50 €. In Riveira haben wir für 3,20 € Obst, Gemüse und ein Brot gekauft.
Die Schaukelei in der Marina nervte dann irgendwann doch sehr. So sind wir nach zwei Tagen aufgebrochen um nach Baiona zu fahren. Leider wieder nur 5 Knoten Wind genau von vorn. Dafür aber riesige Wellen. Das Sturmtief in der Biskaya schiebt 3 Meter hohe Wellen zur galizischen Küste. Wenn die Meteorologen mit ihren Wetterbojen im Atlantik Wellenhöhen von 3 m messen, dann sieht das aus unserem Cockpit so aus:

Segelboote verschwanden hinter den Wellenbergen
Die Fischerboote verschwanden immer ganz im Wellental und die Segelboote schauten noch mit dem Masttop aus der Welle heraus. 
Vor Baiona musste ein recht großes Gebiet mit Riffen umfahren werden. Brandungswellen brachen sich an der Küste und es schaukelte doch ganz beachtlich als wir auf Baiona zuliefen. 
Die Südtonne weist den sicheren Weg um die Riffe

Hinter dem Wellenbrecher war es still wie auf einem Ententeich. Wir fanden in der Marina Baiona einen schönen und endliche ruhigen Liegeplatz für die nächsten vier Tage. Baiona macht auf dem ersten Blick einen sehr netten Eindruck. Aber dazu später mehr.




Nach Nebel kommt Sonnenschein

Abendstimmung in Baiona




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