Nach neun Tagen in Cadzand habe ich mich und auch das Boot
er(über)holt. Meine Familie war vier Tage zu Besuch. Sehr schön alle mal wieder
zu sehen. Nachdem Ute gegangen war, entstand plötzlich ein riesen Loch. 360
Tage verbrachten wir jeden Tag 24 Stunden miteinander. Meine Familie schaffte
einen Ausgleich, den wir alle sehr genossen.
Seeschleuse Vlissingen |
Das Boot habe ich komplett entpökelt und ordentlich sauber
gemacht. Die letzte Reise hinterließ doch einige Spuren. Am Freitag verholte
ich nach Vlissingen, um dort meine neue Crew in Empfang zu nehmen. Micha
begleitet mich nun zwei Woche, Alex eine Woche.
Am Sonntag um 5 Uhr schellte der Wecker. Um noch mit dem
Strom aus der Westerschelde zu fahren, war ein frühes Ablegen nötig. Der
Schleusenwärter an der Seeschleuse öffnete sogleich die Tore. Nach 15 Minuten
waren wir auf See. Das Wasser rauscht gleich mit 3,5 Knoten an der Ausfahrt
vorbei. Durchs Oostgat ging es zügig in Richtung offene See. Untiefentonnen
markierten unseren Weg entlang der holländischen Küste. Die erste größere Hürde:
Zufahrt Europoort - größter Tiefseehafen Europas in Rotterdam. Aus drei
Verkehrstrennungsgebieten laufen hier die Frachter ein und aus. Wir mitten
drin! Eine definierte Passage markiert einen Weg zur Querung der
Hauptverkehrszone durch Kleinfahrzeuge. Unser Motto: Einfach Kurs und
Geschwindigkeit halten. Genau auf Höhe der Einfahrt kam uns dann doch ein
griechischer Tanker sehr nahe und ließ Herzen höher schlagen. Dort und auf dem
Weg bis einige Meilen nach Ijmuiden lagen sehr viele Frachter vor Anker. Kreuzfahrtschiffe
warten hier auf das baldige Ende des Shutdown. In der Einfahrt nach Amsterdam,
fuhr kein Frachter ein noch aus - sonst auch eine Hauptverkehrszone. Nachdem
wir nördlich von Ijmuiden einen Windpark umfahren mussten, hatten wir endlich
freien Seeraum vorm Bug – perfekt zum Sonnenuntergang. Zugleich ordentlich Wind
und Welle ließ uns noch eine Schicht Kleidung auflegen. Die Nacht teilten wir
uns sehr gut auf.
Auf der Höhe von Den Helder nahm der Schiffsverkehr wieder
ordentlich zu. Micha hatte dort einiges zu beobachten. Fischer fuhren sehr nah
heran und auch ein Tauchboot kurvte auf unserer Kiellinie. Dank der kürzesten
Nacht des Jahres wurde es schnell wieder hell und es erwartete uns ein schöner
sonniger Tag. Als uns die Strömung wieder entgegen lief, wurde klar, dass es heute
zu knapp wird Norderney zu erreichen. Also gegen den Strom in die Ems und ab
nach Borkum. Die letzten zwei Stunden waren ein Geduldsspiel. Mit 3,8 kn am
Hauptstrand von Borkum vorbei und nur noch schnell ankommen war das Ziel. Im
Hafen lagen bereits Päckchen mit je vier Yachten an der Gastlieger-Brücke. Eine
Yacht lag allein, da die Crew um 3 Uhr in der Nacht weiter wollte. Die Zeit
schreckt sicher ab uns aber nicht!
Der Hafen Borkum wird für die Versorgungsschiffe der
Windparks genutzt und ist oft laut und wenig attraktiv. Dafür hat unsere Insel-Radtour
bei bestem Wetter viel Spaß gemacht.
Und morgen heißt es Borkum ade – Norderney juchee.
Hafen Borkum |
Das Borkumer Inselbähnchen |
Seehunde vor Borkum |
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen